ChorWerk Ruhr 50.1

!SING- Day of Song

Sonnenaufgangskonzert

ChorWerk Ruhr/"!Sing - Day of Song"

Unser Alltag ist geprägt von Ritualen: sie markieren Schwellen und Übergänge. Sei es die Begrüßung im Büro oder der Applaus im Konzert. Übergänge, wie von der Nacht in den Tag sind in allen Kulturen mythologisch besetzt. So stellten sich die alten Ägypter beispielsweise vor, dass der Sonnengott Re jeden Morgen von der Göttin Anubis wieder geboren wird, die ihn über Nacht im Bauch getragen - nachdem sie ihn abends verspeist hat.

Den Übergang von der Nacht in den Tag markiert bei uns meist der Wecker. Wie aber würden heute lebende Menschen die Sonne begrüßen? Wie klingt eine Musik, die sich eingliedert in die Stimmen der erwachenden Natur? 

Seit Rupert Huber 2008 die künstlerische Leitung des ChorWerk Ruhr übernommen hat, sucht er mit den Sängerinnen und Sängern in Forschungsprojekten nach einem neuen, authentischen Stimmausdruck. In diese Forschung fließt das Wissen außereuropäischer Kulturen mit ein. In intensiver Auseinandersetzung mit ethnologischen Fragestellungen nähert sich das Solistenensemble TAMAR des ChorWerk Ruhr den Wurzeln der Musik, um daraus neue Ausdrucksformen zu entwickeln. 

Gleichzeitig schließt diese experimentelle Stimmarbeit an das Schaffen von John Cage an, der in seinen Kompositionen den abendländischen Werkbegriff an seine Grenzen geführt hat. Die Freiheit, die Cage dem Interpreten überantwortet hat, ist der Ausgangspunkt für das Sonnenaufgangskonzert: In Resonanzgesängen wird er selbst zum Instrument, das von der aufgehenden Sonne gespielt wird. In Kontaktgesängen berührt er mit der Stimme, wovon er selbst berührt ist. 

Die Sängerinnen und Sänger, allesamt für Oper und Konzert ausgebildet, stehen vor der Herausforderung eine neue stimmliche Ausdrucksform zu finden, die jenseits der bekannten Tonsysteme und dur-moll-tonalen Harmonik steht und lassen Geräuschhaftes und archaisch wirkende Laute einfließen. Während des Sonnenaufgangskonzerts erklingt die meiste Zeit über ein ein in sich bewegtes, vielschichtiges Kontinuum - ein fluktuierender, lebendiger Klang. Einzeln oder zu zweit treten die Sängerinnen und Sänger daraus hervor mit Kontakt- und Resonanzgesängen.

Die Anreise der Sänger mit dem Schiff, wie auf einer Sonnenbarke, die stumme Erwartung der ersten Sonnenstrahlen und die sich anschließende Musik sind nur Teile eines komplexen Vorgangs, der ein Ritual zur Begrüßung des Tages wäre.

Nachdem sie den vielfältigen Programmreigen dieses Tages eröffnet haben, werden die Sängerinnen und Sänger beim "!Sing - Day of Song"-Abschlusskonzert am Abend in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen ein von der nepalesischen Musik angeregtes Stück mit dem Titel "Sewa Munganga" vorstellen - und das Publikum zum Mitsingen auffordern.

  Stempel Day of Song

ChorWerk Ruhr
16er Besetzung
Dirigent

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