ChorWerk Ruhr 107.1

SCARLATTI/SCELSI/BACH

Eine CHORWERK RUHR Produktion

Domenico Scarlatti (1685-1757)
Stabat Mater für zehnstimmigen Chor und Basso continuo

Giacinto Scelsi (1905-1988)
Tre Canti Sacri für gemischten Chor a cappella

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Jesu, meine Freude Motette für fünfstimmigen Chor und Basso continuo BWV 227

Die mittelalterliche marianische Sequenz „Stabat mater dolorosa“, eine ausdrucksstarke Meditation der Schmerzen der Gottesmutter unter dem Kreuz ihres Sohnes, hat zahlreiche Komponisten zu ergreifenden Vertonungen angeregt. Die Version von Domenico Scarlatti (1685-1757) gehört bisher sicherlich zu den weniger bekannten; allerdings ist sie dennoch eine der eindrucksvollsten. Ungewöhnlich ist die zehnstimmige Anlage des lediglich continuobegleiteten Vokalsatzes; sie ermöglicht Scarlatti eine ungeheuer dichte polyphone Kompositionsweise, deren faszinierender Reichtum an harmonischen Ballungen und Spannungen die Textaussage mit musikalischen Mitteln eindringlich zur Geltung bringen.

Hoffnung auf den Himmel, Angst vor der Hölle: Zwei Seiten einer Medaille, zwei Perspektiven auf das unergründliche Mit- und Ineinander von Leben und Tod. Unter den Titeln „Angelus“, „Requiem“ und „Gloria“ subsummiert Giacinto Scelsi (1905-1988) in den „Tre canti sacri“ von 1958 seine musikalische Auseinandersetzung mit dem „Woher“ und „Wohin“ des menschlichen Seins – in seinem Fall u. a. geprägt vom Glauben an die Reinkarnation. So assoziativ die Klanggebilde anmuten, so komplex sind die mikrotonalen Strukturen, die ihnen zugrunde liegen. Für den Hörer kaum mehr wahrnehmbar, aber dennoch substantiell vorhanden sind die Textausschnitte, die der lukanischen Verkündigungsszene (Maria und der Engel Gabriel), der Totenmesse und dem biblischen „Gloria in excelsis Deo“ (Christi Geburt wird den Hirten durch eine Engelschar verkündet) entnommen sind.

Mit seiner berühmten Motette „Jesu, meine Freude“ (BWV 227) begegnet uns Johann Sebastian Bach in einer seiner hervorragendsten Eigenschaften – als Bearbeiter eines protestantischen Kirchenliedes. Auf Basis seiner souveränen Kompositionskunst führt er jede Liedstrophe zu ganz individueller Aussagekraft. Die prägnante Römerbrief-Theologie des Apostels Paulus, im deutschen Protestantismus schon durch Martin Luthers kraftvolle Sprache farbenreich interpretiert, erfährt mithilfe der Musik Bachs noch weitere Zuspitzung hin zu einer Wirkmächtigkeit, die bis heute ihresgleichen sucht.

Laute
Björn Colell
Violone
Christian Zincke
Orgel
Christoph Anselm Noll
Chor
CHORWERK RUHR
Dirigent

Termine