Peter Neumann
Vom lebendigen, redenden oder beseelten Detail ausgehend, die Spannung dramatischer Abläufe aufzubauen mit dem Ziel des erlebbaren Ganzen eines Musikdramas, ist das Charakteristikum der Interpretationen des Dirigenten Peter Neumann. Er tut dies in Werken von Monteverdi bis Brahms vorzugsweise zusammen mit seinem auf Originalinstrumenten spielenden Orchester Collegium Cartusianum, das er ohne aufführungspraktische Scheuklappen in den Dienst der Lebendigkeit der Partitur stellt, und mit seinen beiden vokalen Ensembles Kölner Kammerchor und – für große Besetzung – Kartäuserkantorei.
In den letzten Jahren ist Peter Neumann (geboren in Karlsruhe) vor allem als Händel-Dirigent hervorgetreten. Die von ihm für Köln initiierte Konzertreihe „250 Jahre Händel-Oratorien“, in der er Händels Spielplan der Jahre 1749–1752 entsprechend 9 Musikdramen aufführte, legt davon Zeugnis ab ebenso wie die CD-Einspielungen von Saul, Susanna, Theodora und Belshazzar (MDG), die in der internationalen Fachpresse vielfach gerühmt wurden. Seine Interpretation des Saul wurde als Höhepunkt der Göttinger Händel-Festspiele 2001 gefeiert.
In vielen Musikzentren Europas und auf namhaften Festivals hat er die Meisterwerke der oratorischen, bisweilen auch Opern- und sinfonischen Literatur dargeboten: Monteverdis Marienvesper (Palais Garnier Paris) und L’Orfeo (2003 in Nantes, Bilbao und Lissabon), Bachs Passionen und h-moll Messe (BBC Proms), Mozarts Kirchenmusik (RheingauMusikFestival) und Il Re Pastore (Concertgebouw Amsterdam), Schuberts Lazarus und Messen, Mendelssohns Elias und Paulus (Teatro Communale Bologna), Brahms Deutsches Requiem, C. Francks Les Bèatitudes und Debussys Le Martyre du Saint Sebastien (MusikTrienale Köln). Seine Aufführung von Mozarts Vesperae bei der Folle Journée Nantes war life bei arte zu sehen.
Als Gastdirigent konzertierte er u.a. mit dem Niederländischen Kammerchor, dem Südfunkchor Stuttgart, der Schola Cantorum Tokio, dem Concertgebouw-Orchester Amsterdam, dem Jerusalem Symphonie Orchester und dem Chor und Orchester des Teatro Communale Bologna.
Aus der umfangreichen Diskographie seien noch Bachs Johannes Passion (2. Fassung), Mozarts Messen und Requiem (Gesamtaufnahme bei EMI), Schumanns Missa sacra (Diapason d’Or) und die Aufnahme einer Schütz-Vesper genannt.
