Robin Gritton

Robin Gritton studierte am Royal College of Music in London und begann seine Laufbahn als Pianist, Cellist und Sänger. In den 70er Jahren gehörte er so renommierten Londoner Ensembles wie den BBC Singers und dem John Alldis Choir an, mit denen er zahlreiche internationale Tourneen unternahm und preisgekrönte Schallplatten einspielte. 1980 wurde ihm die Leitung des Niederländischen Rundfunkchores Hilversum übertragen. Er dirigierte bedeutende Orchester und war gern gesehener Gast auf allen wichtigen Konzertpodien. In Deutschland arbeitete er regelmäßig mit den Klangkörpern des WDR, des RIAS und des NDR zusammen. Mit dem NDR–Chor in Hamburg verbindet ihn seit 1986 eine intensive Partnerschaft. Hier hatte er seit 1992 die Position des 1.Gastdirigenten, 1995–97 die des Chefdirigenten inne. 1993 kam er zum Rundfunkchor Berlin, den er von 1994–2001 als Chefdirigent in der Nachfolge von Dietrich Knothe nachhaltig prägte.

Im Laufe seiner langjährigen Tätigkeit als Chorerzieher hat sich Gritton eine unvergleichliche Kenntnis auch des entlegenen Chorrepertoires von der Renaissance bis zur experimentellen Avantgarde angeeignet. In entdeckungsfreudigen, thematisch konzipierten Programmen wie „Mozart in Amerika“, „Spanische Impressionen“ oder „Der Stern am Horizont“ (Unbekannte deutsche Weihnachtskantaten der Romantik), aber auch in monographischen Brahms-, Reger- und Hindemith-Projekten schlug sie sich nieder. Sein Interesse an Neuer Musik brachte und bringt ihn mit zeitgenössischen Komponisten wie Berio, Globokar, Henze, Huber, Kagel, Kurtág, Messiaen, Schnittke, Stockhausen, Tippett und Xenakis zusammen. Daneben nahm er von seinem britischen Erfahrungs-Horizont aus auch die von Helmut Koch in den 50er Jahren gestiftete Tradition der jährlichen großen Händel-Aufführungen des Rundfunkchores mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin wieder auf und führte mit diesem auch Monteverdis Marienvesper auf. Die beliebten Weihnachtskonzerte des Rundfunkchores im Berliner Dom wurden unter ihm zur Institution. Ebenso bescheiden wie programmatisch schrieb er dem Rundfunkchor Berlin zum Ende seiner Amtszeit ins Gästebuch: „Ich bin sehr dankbar, dass ich über acht Jahre die Gelegenheit hatte, den Rundfunkchor Berlin zu leiten. In dieser relativ kurzen Zeit haben wir viel zusammen gearbeitet: Proben, Aufnahmen, Konzerte, Reisen und – ich glaube – auch von einander gelernt. Ich hoffe dass das, was ich dem Chor angeboten habe, ein klein bisschen geholfen hat, eine Brücke zu bauen zwischen den ‚good old times‘, der neuen Zeit und der immer spannenden Zukunft.“

Die bedeutendsten Dirigenten der Welt schätzen Robin Gritton als kompetenten Partner, der sich sensibel und stilgerecht dem jeweiligen Werk zuwendet. Unter Maestros wie Abbado, Ashkenazy, Blomstedt, Davis, Harnoncourt, Gielen, Levine, Janowski, Menuhin, Nagano, Rattle, Solti, Tate und vielen anderen führte er den Rundfunkchor Berlin zu Höchstleistungen. Der Rundfunkchor war unter seiner Leitung nicht nur regelmäßig in den Musikzentren Europas zu Gast, sondern unternahm auch umjubelte Tourneen nach Neuseeland, Australien und in die USA. Zu den vielen wichtigen und preisgekrönten Aufnahmen, die Gritton mit seinem Ensemble eingespielt hat, gehören Beethovens Missa Solemnis unter Solti (Decca), Rachmaninovs Vespermesse op.37 (cpo), A-Cappella-Musik von Brahms, Strauss (beide Koch Schwann) und Hindemith (Wergo), Bachs Kirnberger Choräle (Teldec), Schönbergs Jakobsleiter (Denon und Naxos-Häussler), Kurtágs Gesänge von Schwermut und Trauer und Messiaens Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ (alle Koch International).

Robin Gritton ist heute freiberuflich von seinem Wohnsitz in Surrey aus in der ganzen Welt tätig und kehrt regelmäßig zu seinen alten Ensembles zurück. 2003 leitete er u. a. auch die Chorakademie des Schleswig Holstein Musikfestivals. ChorWerk Ruhr ist er seit 2004 verbunden, als es mit ihm Berlioz’ Requiem für die Ruhrtriennale einstudierte. 2005 hat ChorWerk Ruhr unter Robin Gritton Schönbergs Glückliche Hand einstudiert sowie das Projekt "a cappella" mit Musik von Brahms, Vogel, Eisler, Webern und Schönberg aufgeführ. 2006 wurde ein Projekt mit den Romanzen und Balladen von Robert Schumann realisiert, das auch auf CD erschienen ist.

Für ChorWerk Ruhr leitete Robin Gritton die Projekte


Foto: © Gita Mundry