Pressestimmen CWR 51

Leila und Madschnun

Der Tagesspiegel, 22.08.2010, Jörg Königsdorf

Sterne über der Wüste

Wenn die durch umfangreiche Statisterie verstärkten Sänger des Chorwerks Ruhr immer wieder aus dem Dunkel über die Sandwüste stürzen, die Bühnenbildner Wolfgang Gussmann auf dem Boden der Jahrhunderthalle ausgestreut hat, wenn sie den alten Tanklastzug hinaufkrabbeln, wenn sie Leila und Madschnun herumzerren wie eine Schar Ameisen ihre Beute, dann besitzt das eine elementare Wucht, wie sie auf einer herkömmlichen Theaterbühne kaum zu erreichen ist.

Ein vom Ensemble musikFabrik erstelltes Video erlaubt Einblicke in die Produktion - in zahlreichen Einstellungen zu sehen und zu hören ChorWerk Ruhr.

www.derwesten.de, 22.08.2010, Gudrun Norbisrath
Leila und Madschnun - Ein Lied von Liebe und Krieg

Ein ausgebrannter Militär-LKW steckt im Sand wie ein toter Saurier, ein Countertenor klagt grelle Trauer; ein Akkordeon, durch das der Wüstenwind pfeift und die Geschichte einer Liebe, die Wahnsinn, Krieg und Tod bringt – kann das ein schöner Theaterabend werden? Nein. Nicht schön. Aber großartig. Sollte dies nicht eine Oper sein? Eine über die ganz große Liebe? Wo sind die Arien, und wo ist die elegische Sanftmut, die wir an Romeo und Julia so lieben? Nichts davon. Madschnun, von dem das Stück erzählt, ist nicht sanftmütig, sondern ra-dikal in seiner Liebe zu Leila, die sie ihm weggenommen haben, kaum dass sie sich in die Augen sahen. Madschnun, das heißt: der Wahnsinnige; er rast in seiner Sehnsucht. Und so ist auch das Stück, rasend in seinem Anspruch, auch in seiner Zumutung. […] Das ist unbequem, und fremd. Auch die hinreißende Musik. Die musikFabrik Köln spielt furios, verebbt in Stille und schweigt lange, weht auf, steigert sich zart dröhnend, hämmert, braust, weint. Ein Akkordeon spielt in einem wunderbaren Solo Trauer, Wind und Sehnsucht, eine Blockflöte klagt. Der Bariton-Counter Hagen Matzeit, als Madschnun der einzige Solosänger, beherrscht mühelos und ergreifend die unendlichen Höhen des Wahnsinns wie die tiefe Wärme der Liebe. Und das ChorWerk Ruhr ist erschütternd in Spielfreude und Stimmkraft. Es ist ein intensives, grandioses Zusammenspiel: Die Musik stellt sich in den Dienst des lyrischen Textes und die Regie schafft Bilder, in denen beide ihre Raum haben. Ergreifend, zu erleben, wie aus dem Traum der Liebe ein Albtraum wird von Verzweiflung und Tod. […] Leila und Madschnun – es ist kein stürmischer Erfolg zum Beginn der Ruhr Triennale, eher ein leise fließender. Aber ganz großes Theater.
Gießener Allgemeine, 22.08.2010, Pedro Obiera

Musikalisch lag der Abend bei der Kölner »musikFabrik« und dem ChorWerk Ruhr unter der Gesamtleitung von Peter Rundel in allerbesten Händen.